Middlebury Language Schools

 

4. Juli 2013: David Gramling, University of Arizona

"'Die Übersetzung wird erst interessant, wenn sie außer Kontrolle gerät': Peter Waterhouse und seine mehr- (oder weniger-)sprachige Welt"

Durch eine Lektüre des 2003 erschienenen Prosagedichts “Klangtal” von Peter Waterhouse sondiert dieser Vortrag die Diskursgeschichte der Ein- und Mehrsprachigkeit im eurpäischen 20. Jahrhundert. Als Sohn eines Briten und einer Österreicherin komponiert Waterhouse literarische Texte, die die normativen Begrifflichkeiten von Übersetzung, vom Bilingualsein, und von ‚Sprachigkeit’ an sich unterminieren. In „Klangtal“ zum Beispiel inszeniert Waterhouse eine diskursive Konfrontation zwischen der Sprachskepsis der fin-de-siècle Wiener Moderne auf der einen Seite und den „postmonolingualen“ Phänomenen der Globalisierung auf der anderen Seite (Yildiz 2011). Der Text stellt nämlich einen Dialog zwischen dem polyglotten Philip, Lord Chandos, dem fiktiven Schreiber von Hugo von Hofmannsthals Sprachtraktat „Ein Brief“ (1902) und einem multilingualen fünfjährigen Exilanten dar, der in SIngapur diesem weltberühmten „Chandos-Brief“ zufällig begegnet. Während des Vortrages werden Auszüge von den Texten auf die Leinwand projiziert, so dass Anfänger sowie fortgeschrittene Lernende beteiligt werden können. Zusammen werden wir versuchen, die folgenden Fragen provisorisch zu beantworten: Was heißt Übersetzung im 21. Jahrhundert? Was bedeutet es eigentlich, multilingual oder monolingual zu sein?

11. Juli 2013: Robert S. Schine, Middlebury College

Curt C. and Else Silberman Professor of Jewish Studies, Middlebury College

"Für und Wider den Mythos der deutsch-jüdischen Symbiose"

(Jährlicher Zernik-Vortrag)

Franz Rosenzweig, der jüdische Religionsphilosoph, erzählte einmal in einem Brief von einem Vorstellungsgespräch bei der jüdischen Gemeinde in Hamburg, das im Winter 1921 stattfand.  (Er hatte sich um die Stelle des Religionslehrers beworben.) Es wurden ihm—so Rosenzweig—„diverse Gretchenfragen“ gestellt, darunter die „Frage“—die er nicht weiter bezeichnet—„Deutschtum und Judentum“.  Rosenzweig schreibt: „Da habe ich erwidert, die Antwort auf diese Frage lehnte ich ab; wenn das Leben mich einmal auf die Folter spannen würde und mich in zwei Stücke reißen, so wüßte ich freilich, mit welcher der Hälften das Herz, das ja unsymmetrisch gelagert sei, mitgehen würde; ich wüßte auch, daß ich diese Operation nicht lebendig überstehen würde…“ Damit umschrieb Rosenzweig die Bindung des deutschen und des jüdischen Geistes, die von vielen Glaubensbrüdern seiner Generation als unlösbar empfunden wurde.  Sie wird daher später als „die deutsch-jüdische Symbiose“ bezeichnet. 

Die Frage des Selbstverständnisses der deutschen Juden gehört zwar unwiederbringlich einer historischen Epoche an.  Jedoch bleibt sie von Bedeutung über das gewaltsame Ende dieser Epoche hinaus, als Musterbeispiel der hybriden Identität, der Identität „mit Bindestrich“.  In dem Diskurs der deutschen Juden, sowohl in Deutschland vor 1933 und auch im späteren Exil, blieb sie auch umstritten.  So meinte der in Berlin geborene Kabbala-Forscher Gershom Scholem etwa, rückblickend aus Jerusalem im Jahre 1965, daß eine solche Verbindung nie bestanden habe, daß die sogenannte „deutsch-jüdische Symbiose“ eben nur Mythos gewesen sei.

Zweck des Vortrages ist es: einmal anhand von Zeitzeugnissen deutsch-jüdischer Denker, Schriftsteller und Wissenschaftler, die Pointe des Diskurses „Deutschtum und Judentum“ herauszuarbeiten und damit die besondere geistige Spannung zu beleuchten, die dem deutsch-jüdischen Verhältnis innewohnt.

18. Juli 2013: Gunhild Lischke, Cornell University

Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen. Was ist das überhaupt? Ein Überblick und seine Einsetzbarkeit im amerikanischen Kontext”

gl

25. Juli 2013: Ulrike Draesner, Berlin

Lesung und Diskussion

1. August 2013: Rolf E. Schütte, Generalkonsul, Deutsches Generalkonsulat Boston

“Warum in Amerika heute noch Deutsch lernen?”

Consul General

8. August 2013: Antonia Levy, City University of New York

“Von Sexarbeiterinnen und ‘Nataschas’: Prostitution in Deutschland nach der Legalisierung”